Biografie

Thomas Hengelbrock zählt zu den vielseitigsten und interessantesten Künstlern seiner Generation. Seine Arbeit ist epochen- und spartenübergreifend und stets das Ergebnis einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem musikalischen Text, Sinn und Gehalt der Werke. Mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Orchester gründete er zwei Originalklang-Spitzenformationen, mit denen er seit über 25 Jahren international Erfolge feiert. Auch für Klangkörper wie die Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchestra, die Münchner Philharmoniker, das Orchestre de Paris, das Orchestre National de France oder das Tonhalle-Orchester Zürich ist er ein gefragter Partner.

Als begeisterter und begeisternder Musikentdecker widmet sich Thomas Hengelbrock einem Repertoire, das von der Alten Musik über das 19. und 20. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Werken reicht und alle Genres umfasst. Er bringt fast vergessene Kompositionen an die Öffentlichkeit oder ermöglicht durch seine Projekte – etwa „Parsifal“ auf originalem Instrumentarium – die Neubewertung des Standardrepertoires. Legendär sind seine epochenübergreifenden Konzertprogramme, die oft verblüffende musikalische Verwandtschaften aufdecken und ausgewählte Themen kreativ umkreisen und erschließen.

Im Rahmen von Assistenztätigkeiten kam Thomas Hengelbrock früh mit bedeutenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik wie Witold Lutosławski, Mauricio Kagel und Antal Doráti in Kontakt. Noch heute bildet die Musik der unmittelbaren Gegenwart einen wichtigen Teil seines Wirkens. So leitete er die Uraufführungen von Jan Müller-Wielands Oratorium „Maria“ bei der Ruhrtriennale 2018 und von Wolfgang Rihms „Reminiszenz“ bei der Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017. Auch mit den Komponisten Jörg Widmann, Simon Wills, Lotta Wennäkoski, Qigang Chen und Erkki-Sven Tüür arbeitet er zusammen.

Als Operndirigent ist Thomas Hengelbrock an Häusern wie der Opéra national de Paris, dem Théâtre des Champs-Elysées, dem Teatro Real in Madrid, dem Londoner Royal Opera House, Covent Garden, der Berliner Staatsoper sowie bei den Festivals in Baden-Baden, Aix-en-Provence und Salzburg zu erleben. Im Herbst 2020 eröffneten Thomas Hengelbrock und die Balthasar-Neumann-Ensembles außerdem eine eigene Résidence Artistique im Château de Fontainebleau, die unter der Schirmherrschaft der UNESCO steht.

In Produktionen mit den Balthasar-Neumann-Ensembles  führt Thomas Hengelbrock auch selbst Regie, beispielsweise bei Purcells „Dido  and Aeneas“ oder Mozarts „Don Giovanni“. Musikalisch-literarische Projekte mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer, Johanna Wokalek und Graham Valentine bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Eigene Fassungen von Griegs Peer Gynt und Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ verschmelzen Musik und Weltliteratur miteinander und unterlaufen alle gängigen Erwartungen. Mit der Choreografin Pina Bausch erarbeitete er 2005 eine gefeierte Inszenierung von Glucks „Orphée et Eurydice“ an der Pariser Opéra, die bis heute in zahlreichen Ländern gastiert.

Thomas Hengelbrock ist ein enthusiastischer Musikvermittler und fördert junge Künstler unter anderem im Rahmen der von ihm gegründeten Balthasar-Neumann-Akademie und seiner Cuban-European Youth Academy (CuE). Für seine Verdienste wurde ihm 2016 der Herbert von Karajan Musikpreis verliehen. Darüber hinaus ist er langjähriger Schirmherr des Kinder-Palliativ-Betreuungsvereins KinderPaCT.

Seit Beginn der Corona-Pandemie engagiert sich Thomas Hengelbrock insbesondere für das Fortbestehen der Kultur und die freischaffenden Musikerinnen und Musiker in Europa. Um weiterhin und durchgängig ohne Abstände musizieren zu können, wurde für die Balthasar-Neumann-Ensembles ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, auf dessen Grundlage rund 30 Projekte mit Musikerinnern und Musikern aus ganz Europa realisiert werden konnten.

Stand: Februar 2022