Biografie

Thomas Hengelbrock zählt zu den vielseitigsten und interessantesten Künstlern seiner Generation. Sein epochen- und spartenübergreifendes Schaffen öffnet Musikern und Publikum gleichermaßen neue Gedanken- und Gefühlsräume. Ob Barockoper, romantische Sinfonie oder Zeitgenössisches – seine energiegeladenen Auftritte sind stets das Ergebnis einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem musikalischen Text und seines profunden Wissens um Sinn und Gehalt der Werke. Mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble gründete er zwei Originalklang-Spitzenformationen, mit denen er seit über 20 Jahren international Erfolge feiert. Auch für Klangkörper wie das Royal Concertgebouw Orchestra, die Wiener Philharmoniker, das Orchestre de Paris, die Münchner Philharmoniker, das Orchestre National de France oder das Tonhalle-Orchester Zürich ist Thomas Hengelbrock ein gefragter Partner.

Thomas Hengelbrock ist ein begeisterter und begeisternder Musikentdecker. Sein Repertoire reicht von der Alten Musik über das 19. und 20. Jahrhundert bis zu zeitgenössischen Kompositionen und umfasst alle Genres. Er bringt fast vergessene Kompositionen an die Öffentlichkeit oder bewertet bekanntes Standardrepertoire neu, beispielsweise Richard Wagners „Parsifal“ auf originalem Instrumentarium. Legendär sind Thomas Hengelbrocks epochenübergreifende Konzertprogramme, die oft verblüffende musikalische Verwandtschaften aufdecken. Wie schillernde Klangkaleidoskope umspielen sie ein ganz bestimmtes Thema – das Motiv von Tod und Auferstehung beispielsweise, dem im Frühjahr 2020 ein Programm für Chor und Orgel gewidmet ist.

Im Rahmen von Assistenztätigkeiten kam Thomas Hengelbrock bereits früh mit bedeutenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik wie Witold Lutosławski, Mauricio Kagel und Antal Doráti in Kontakt. Noch heute bildet die Musik, die gerade erst entsteht, einen wichtigen Teil seines Wirkens. Beim Abschlusskonzert der Ruhrtriennale 2018 leitete er beispielsweise die Uraufführung von Jan Müller-Wielands Oratorium „Maria“. Zur Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017 wurde unter seiner Leitung Wolfang Rihms „Reminiszenz“ zum ersten Mal aufgeführt. Auch mit den Komponisten Jörg Widmann, Simon Wills, Lotta Wennäkoski, Qigang Chen und Erkki-Sven Tüür arbeitet Thomas Hengelbrock zusammen.

Als Operndirigent ist Thomas Hengelbrock an Häusern wie beispielsweise der Opéra national de Paris, dem Teatro Real in Madrid, dem Opernhaus Covent Garden in London oder der Staatsoper Berlin zu erleben. Auch bei den Festivals in Baden-Baden und Aix-en-Provence sowie den Salzburger Festspielen tritt er regelmäßig auf. In Produktionen mit den Balthasar-Neumann-Ensembles führt Thomas Hengelbrock auch selbst Regie, beispielsweise bei Purcells „Dido and Aeneas“ oder Mozarts „Don Giovanni“. Musikalisch-literarische Projekte mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer, Johanna Wokalek und Graham Valentine bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner kreativen Arbeit: Eigene Fassungen von Edvard Griegs „Peer Gynt“ und Schumanns „Faust-Szenen“ verschmelzen Musik und Weltliteratur und unterlaufen alle gängigen Erwartungen. Mit der Choreographin Pina Bausch brachte er 2005 eine gefeierte Inszenierung von Glucks „Orphée et Eurydice“ an der Pariser Oper heraus, die bis heute in zahlreichen Ländern gastiert.

Wie der Namensgeber seiner Ensembles, der große Barockarchitekt Balthasar Neumann, so strebt auch Thomas Hengelbrock in seiner künstlerischen Arbeit stets nach einem kreativen Zusammenspiel der Künste. 1991 gründete er den Balthasar-Neumann-Chor und vier Jahre später das Balthasar-Neumann-Ensemble. Längst zählen beide Klangkörper zu den erfolgreichsten ihrer Art und machen weltweit mit ihrer Vielseitigkeit, ihrer hohen künstlerischen Qualität und einzigartigen Klangkultur von sich reden.

Sein Wissen und seine Kommunikationsstärke machen Thomas Hengelbrock zu einem prädestinierten Musikvermittler. Im Rahmen des Stipendienprogramms der von ihm gegründeten Akademie Balthasar Neumann werden herausragende Musikstudenten auf ihrem Weg ins Arbeitsleben begleitet. In seiner „Cuban-European Youth Academy“ (CuE) arbeiten junge Musiker aus Europa und Kuba in Orchesterprojekten, Workshops und besonderen transatlantischen Produktionen zusammen. Darüber hinaus unterrichtet Thomas Hengelbrock regelmäßig auch andere junge Künstler weltweit. Für seine Verdienste in der Musikvermittlung wurde ihm 2016 der Herbert von Karajan Musikpreis verliehen.

Stand: August 2019